So italienisch war Espresso noch nie

03.04.2020 14:47

So italienisch war Espresso noch nie

 „Original italienischer Espresso“, dieser Satz war seit jeher eine Verheißung, ein Qualitätsprädikat für Geschmack und Lifestyle. Doch bisher hatte dieses Versprechen stets einen "Haken": Der Rohstoff Kaffee musste aus dem Ursprungsland erst importiert werden, bevor er durch die typische, dunkle Espressoröstung weiterverarbeitet wurde. Das Italienische am Espresso waren also bislang lediglich sein Name und die Art seiner Röstung. 

Palermo, Ort der Revolution 

Die Hauptstadt Siziliens, Italiens größter Insel im Mittelmeer, ist ein Touristenmagnet. Bisher war die historische Stadt bekannt für ihr mediterranes Klima, ihre exzellente Küche und ihre reiche Geschichte. Seit kurzem wächst hier aber auch der erste (wirklich) europäische Kaffee. Ein weiterer historischer Meilenstein Palermos. Zwar wird auch auf den Kanarischen Inseln in Spanien europäischer Kaffee angebaut, doch gemessen an der geographischen Lage, ist dieser doch wohl eher dem afrikanischen Kontinent zuzuordnen. Der italienische Kaffee wächst und gedeiht dagegen im europäischen Kernland.

Kaffee in Europa, eine botanische Herausforderung

Versuche Kaffee auf Sizilien anzubauen gab es in Palermo zwar bereits im 20. Jahrhundert, doch im Gegensatz zu damals ist es zwei jungen italienischen Unternehmern nun gelungen, die komplette Lieferkette, vom Anbau bis zur Zubereitung, umzusetzen. Bei dem historischen Versuch im Botanischen Garten von Palermo hingegen sorgte ein strenger Winter damals dafür, dass das ehrgeizige Projekt schließlich scheiterte. Dieses Scheitern schien damals der Beweis dafür zu sein, dass ein Kaffeeanbau nördlich des sogenannten Kaffeegürtels, also rund um den Äquator, aus klimatischen Gründen zum Scheitern verurteilt sein müsse.

Rosolino Palazzolo und Isidoro Stellino: Die "Erfinder" des italienischen Kaffees

Wer sind die beiden Wagemutigen, die den zweiten Versuch eines italienischen Kaffees wagen? Es handelt sich um Rosolino Palazzolo, einen Landwirt, der sich auf den Anbau exotischer Pflanzen spezialisiert hat, und Isidoro Stellino, einen Röster aus Alcamo. Isidoros Familie betreibt in dem kleinen sizilianischen Städtchen eine Rösterei in der fünften Generation. 

Was macht den italienischen Kaffee so besonders? 

Zunächst einmal handelt es sich bei dem „neuen“ italienischen Kaffee um ein absolutes Nischenprodukt. Neben dem Kaffee der Kanarischen Inseln handelt es sich um den einzigen Kaffee der politischen europäischen Landkarte. 

Geschmacklich zeichnet sich er sich bei der Zubereitung dann durch eine angenehme Säure aus, die so typisch für das italienische Nationalgetränk ist. Nach dem Genuss verbleibt dabei sein angenehmer Nachgeschmack noch einige Zeit im Mund. Olfaktorisch zeichnet er sich hingegen durch einen Geruch nach roten Früchten, gekochtem Beef und Tomatenschale aus.


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