Bio-Kaffee: Immer die bessere Wahl?

30.01.2021 16:19

Bremen, Deutschland – Es hilft den Blutzuckerspiegel zu senken, das Risiko von Diabetes zu reduzieren und soll einen positiven Effekt auf die Leber haben. Bei einer Untersuchung brasilianischer Kaffeebohnen einer Forschungsgruppe von Professor Nikolai Kuhnert, Professor der Chemie an der Jacobs University, ist man scheinbar zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Organisch wachsender Kaffee enthält weniger Chlorogensäure als konventioneller Kaffee.

„Das soll aber nicht heißen, dass Verbraucher organischen Kaffee nicht mehr kaufen sollten“, sagt Kuhnert. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin „Food Research International“ veröffentlicht.

Die Forschungsgruppe der Jacobs University hat 67 geröstete Kaffeesorten aus verschiedenen Regionen in Brasilien unter die Lupe genommen. Ihr Ursprung war sowohl organischer als auch konventionellem Kaffee-Anbau. Der Professor der Food Chemistry an der University of Ponta Grossa in Brasilien, Daniel Granato, ist Kooperationspartner der Studie. Er hat die Auswahl in verschiedenen Regionen des Landes während seiner Besuche auf den Plantagen gesammelt und klassifiziert.

Chlorogensäure ist in verschiedenen Früchten und Gemüsesorten zu finden, wie zum Beispiel in Äpfeln, Birnen, Hülsenfrüchten und Artischocken. Nichtsdestotrotz ist in Kaffeebohnen der Anteil an Chlorogensäure für den täglichen Gebrauch am höchsten, denn jede Tasse Kaffee beinhaltet etwas 200 mg davon. Allein Arabica- Kaffee beinhaltet etwa 40 verschiedene Chlorogensäuren. Im Durchschnitt verbraucht eine Person pro Tag zwischen ein und zwei Gramm dieser natürlichen Substanzen.

Die zusammengesetzte Mischung formt nicht nur den Geschmack des Kaffees, sondern trägt auch zu einer Reihe von Attributen bei, die die Gesundheit fördern. Diese Attribute wirken entzündungshemmend, tragen zur Stabilität des Herzkreislaufsystems bei und sind sowohl antibakteriell als auch virenhemmend von Bedeutung. Zudem sinkt es den Blutzuckerspiegel. „Bei regelmäßigen Kaffeetrinkern ist eine enorme Abnahme von Diabetes Typ2 zu beobachten.“ sagt Kuhnert, der seit zwei Jahrzehnten den Effekt von Kaffeebohnen und seinen chemischen Zusammensetzungen beobachtet. Hinzu kommt, dass der Konsum von Kaffee das Risiko für erhöhte Leberwerte und Leberzirrhose sinkt.

In ihren Forschungen haben die Forscher herausgefunden, dass organisch wachsende Kaffeebohnen weniger Chlorogensäuren enthalten als konventionelle Bohnen. Aber warum ist das der Fall? „Das können wir nicht genau sagen“, hob Kuhnert hervor. Jedoch ist es sehr wahrscheinlich, dass herkömmliche Pflanzen sich selbst vor Pestiziden wie Mikroorganismen, Pilzen oder Bakterien schützen und Antikörper produzieren, die von Vorteil für den menschlichen Organismus sind. „Organischer Kaffee, so scheint es, hat dies nicht nötig. Der ist nicht so belastet“, sagte Kuhnert. Der Wissenschaftler hat ein ähnliches Phänomen schon bei Kohl beobachtet. Hier führt der Gebrauch von ökologischen Giftstoffen zu einer biologischen Reaktion, nämlich zu der Produktion von Antikörper, welcher einen krebsverhindernden Effekt hat.

Nichtsdestotrotz glaubt der Wissenschaftler, dass organisch wachsender Kaffee klare Vorteile mit sich bringt, wie z.B. ökologische Effekte. Es ist nicht nur besonders gesundheitsfördernd für den Menschen. Jedoch könnte das kompensiert werden – mit einer Tasse Kaffee.

Quelle: https://www.jacobs-university.de/news/study-brazilian-coffee-cultivation-conventional-coffee-healthier-organic-coffee


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